Sprache als Transportmittel des Wissens
Mit ihrem besten Wissen und Gewissen kommunizierten die Ingenieure: „Der Start des Challenger Space Shuttle darf nur erfolgen, wenn die Außentemperatur gleich oder größer als 12° Celsius ist“. Als hätte es diese Botschaft nicht gegeben, unfassbar – bei 2° Celsius erfolgt der Challenger-Start, es kommt zu Katastrophe, die Challenger verbrennt, die Astronauten sterben.
Am Beispiel der Katastrophe zeigt Birgit Renzl in ihrem Artikel „Language as a vehicle of knowing: the role of language and meaning in constructing knowledge“ die Rolle von Sprache beim Konstruieren von Wissen. „Language is commonly understood as a tool to describe and report on reality. However, this is a limited view of language since language is not only content; it also provides context and a way to re-contextualize content“.
Der Artikel beginnt mit einem Überblick der erkenntnistheoretischen Kernpunkte zu den Themen Wissen teilen und Wissen generieren. Bereits hier erkennt man, wie wichtig auch der Kontext des Wissens ist, welche Rolle Sprache und Bedeutung spielen bei der Wissensentstehung:
- „we know more, than we can tell (Polyani)
- we say more, than we know, and
- what is said, will be interpreted differently.“ (Stein & Ridderstrale).
Die Wirkung von Sprache kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. „Language is of vital importance in communicating knowledge because it carries the context which allows for meaning and recontextualization.“ Eine große Herausforderung beim Verschriftlichen von Wissen! Damit Inhalte verstanden werden, richtig verstanden werden – muss beim Verschriftlichen die Herausforderung „Sprache als Wissenstransportmittel“ ausreichend berücksichtigt werden.
Zum Beispiel die organisationale Sprache: „Language and meaning are something that has to be learned. For example, it takes some time until we are able to adapt and fully understand routine expressions and procedures etc. in organizations. We have to learn the organizational language in order to be able to understand organizational activities.“ Auch, damit wir der Organisation unser Wissen vermitteln können, es akzeptiert und genutzt wird.
Außerdem fasst die Autorin die Diskursanalyse zusammen, angefangen von theoretischen Grundlagen (u.a. Kernelemente Funktion, Variationen, Konstruktion - illustriert am einfachen Beispiel einer Aussage über die Uhrzeit) bis hin zu Sprachspielen („Language games is a term symbolizing that language is continuously cultivated and created anew“).
Die so theoretisch aufbereitete komplexe Rolle der Sprache beim Wissenstransfer wird dann am tragischen Challenger-Beispiel praktisch verdeutlicht: „The language used by the engineer’s was not completely understood by the mangers in so far as they did not ascribe the same meaning to it.“
Sicher, nicht jeder schreibt, kommuniziert Wissen in so kritischem Umfeld. Sicher, wir können unmöglich alle im Artikel erläuterten Aspekte bei unserer Arbeit ständig intensiv genug berücksichtigen. Sicher aber auch, wenn wir nicht so erfolgreich sind, wie wir uns das wünschen, haben wir vielleicht die Herausforderung „Sprache“ noch nicht ausreichend gemeistert.
Der Artikel bietet auf zehn Seiten Text einen sehr guten Blick in das Thema und wirkt sensibilisierend. Wenn Sie einmal enttäuscht sind, weil Ihre Texte nicht wie gewünscht verstanden werden, bringt Ihnen vielleicht ein neuer Blick in den Artikel eine hilfreiche Inspiration.
Der Artikel ist zur Zeit frei zugänglich.
“Language as a vehicle of knowing: the role of language and meaning in constructing knowledge” von Birgit Renzl
In: Knowledge Management Research & Practice
ISSN: 1477-8238
2007, Ausgabe 5, Seiten 44–53, palgrave macmillan
comments
Leave a Reply